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vetole
Götterdrache
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BeitragThema: Prolog   So Jan 04, 2009 9:40 pm

Jacc zitterte am ganzen Körper. Nicht vor Kälte - nicht diesmal. Obwohl er es zu jeder Zeit hätte darauf schieben können. Denn in diesen Breiten herrschte ewiger Winter. Den Bewohnern hier waren Begriffe wie Sommer, Strand und Wärme wahrscheinlich vollkommen unbekannt. Falls es hier überhaupt Bewohner gab. Kein klar denkendes Wesen würde hier freiwillig Leben wollen. Nur er konnte es sich leider nicht aussuchen, wo er sich in diesem Moment aufzuhalten hatte. Der Befehl kam von ganz oben.
Es war eher ein intensives Gefühl von Angst, das in ihm tobte. Eine Angst, die er bis dahin noch nie gespürt hatte und die ihm deshalb Unbehagen bereitete.
»Sie konnten überall landen!« hieß es, also auch hier. Auch, wenn er sich momentan nichts mehr wünschte, als das »überall« eben überall anders wäre, nur nicht hier. Er biss die Zähne zusammen und zog den Kragen seines Mantels noch etwas höher, in der Hoffnung, dies würde ihn vor dem eisigen Wind schützen. Er starrte weiter zum Himmel, um irgendeine Veränderung wahrzunehmen. Die ließ jedoch auf sich warten. Niemand wusste, wann und wo die Raumschiffe der Lorras auftauchen würden. Niemand konnte sagen, wie viele von ihnen kamen. Und keiner wusste, ob sie selber dieses Zusammentreffen überleben würden.

- - -

Etliche hundert Meilen war er nun schon gelaufen. Er hatte sogar die heißeste Wüste durchquert, die es auf diesem Planeten gab. Nicht, dass ihm die Hitze etwas ausmachte. Er hatte schon viel schlimmere Hitzewellen erlebt. Im Vergleich dazu war diese Wärme hier eigentlich noch angenehm. Aber trotzdem. All zu lange sollte man ihn nicht im Ungewissen lassen. Er fragte sich, wieso sein Vater ausgerechnet Ihn hier her geschickt hatte, wo er doch lieber an dessen Seite sein wollte. So wie sein Bruder. War Anamo überhaupt bei seinem Vater? Oder saß er gerade an irgendeiner Küste? Er wusste es nicht. Vielleicht hätte er ihn vor ihrer Trennung fragen sollen. Nun war es dafür zu spät.
Er blickte sich um, ob sich nicht zufällig jemand in seine Nähe verirrt hatte, der ihm Gesellschaft leisten könnte. Schüttelte aber enttäuscht seinen Kopf und seufzte. Die einzigen, die bald auftauchen würden, machten hier sicherlich alles Mögliche. Nur kein Picknick mit Himmelsbeobachtung.
Ihm wäre es lieber, wenn diese Typen das ganze einfach abblasen und sich wo anders Feinde suchen würden. Aber das war wohl nur ein frommer Wunsch.
Omana suchte unter einem der stark hervorstehenden Felsen Schutz und warf sofort wieder einen Blick in den Himmel. Vielleicht würden die ja diese Hitze hier gar nicht aushalten, wenn sie mit ihren Schiffen landeten. Vielleicht würden sie, von der Hitze vertrieben, sofort wieder umkehren und niemals wieder kommen. Vielleicht…
Nein. Dachte er. Niemals. Die ganz sicher nicht.
Er beobachtete, wie sich langsam eine kleine Wolke vor die Sonne schob und genoss den Augenblick der Abkühlung.

- - -

»Meinst du, die kommen noch heute?«
Die Frage riss den alten Drachen aus seinen Gedanken.
»Hm. Keine Ahnung. Um ehrlich zu sein, die könnten von mir aus weg bleiben.«
Úru-Loki streckte sich und atmete hörbar aus, sodass ein paar Sandkörner vor seinem Gesicht in einer kleinen Staubwolke davon wirbelten. Er sah zum blauen Himmel empor und schüttelte dann träge seinen mit Hörnern übersäten Kopf.
»Die sind sicher ganz in der Nähe. Sonst hätte Ruku nicht solch eine Panik veranstaltet.« Er gähnte noch einmal herzhaft und gurgelte mit einem tiefen Grollen, um den Schleim aus seinem Hals zu bekommen.
»Ok. Dann sollten die sich aber wenigstens auch zeigen. Ich meine, wenn die noch länger brauchen, werden wir bald einge …«
»Und du solltest dir nie so etwas wünschen! Hoffe lieber das Gegenteil. Aber selbst das macht es nicht besser. Niemand weiß, wie viele von denen kommen. Oder ob wir morgen überhaupt noch leben.«
Tamaris senkte betrübt seinen Kopf. »Verzeih. Ich wollte nicht … Es ist nur so, dass ich des Wartens müde bin. Da darf ich zum ersten Mal bei einer eurer Aktionen dabei sein und mitkämpfen. Und dann so was.«
Der Alte lächelte dem gerade erst ausgewachsenen Drachen zu und legte seine Flügelkralle vorsichtig auf dessen Kopf.
»Noch ist nicht alles verloren. Es besteht immer noch Hoffnung, dass wir bei dem ganzen hier die Oberhand behalten. Also, nicht verzagen!«
Mit einem Ruck erhob er sich und streckte seine Flügel aus.
»Ich werde noch einen Rundflug wagen. Achte du derweil auf ungewöhnliche Anzeichen am Himmel. Und sobald du etwas bemerkst, setz dich mit mir in Verbindung! Und sei es nur eine Wolke, die dir verdächtig vorkommt.« Er stieß sich vom Boden ab und gewann schnell an Höhe, drehte noch ein paar Runden über den Hügel, auf dem der junge Drache saß und ließ ihn dann allein zurück.
So allein gelassen wollte Tamaris es sich gerade gemütlicher machen, als er ein seltsames Wirbeln am Himmel bemerkte. Kleine Wolken türmten sich aus dem Nichts heraus übereinander und wurden immer dichter und größer. Erstaunt sah er diesem Geschehen regungslos zu. Dann begriff er. Mit der Kraft seiner Gedanken benachrichtigte er die anderen Drachen. Es war noch nicht zu spät.
Kaum hatte er, wie von Úru-Loki befohlen, Schutz gesucht, kamen auch schon die ersten feindlichen Flieger durch die unnatürlich entstandenen Wolken gejagt. Sie hielten nur wenige Meter über dem Boden. Es waren Hunderte, wenn nicht sogar Tausende, soweit er es einschätzen konnte. Seltsam oval geformter Raumschiffe. Jedes groß genug, um noch einmal Tausende von ungebetenen »Gästen« in sich zu verbergen. In der Ferne beobachtete er einen Feuerball, der an der Außenwand eines der Schiffe aufschlug. Jedoch ohne die erhoffte Wirkung.
»Verdammt! Schutzschilde!« fluchte Tamaris.
Jetzt sah er die ersten Drachen kommen. Sie flogen mit hoher Geschwindigkeit auf die noch immer wachsende Raumschiffflotte zu und schossen ununterbrochen Feuerbälle und andere Geschosse auf sie ab. Jacc landete dicht bei Tamaris, ohne von diesem bemerkt zu werden, um in derselben Bergspalte Schutz zu suchen.
»Was tust du noch hier? Du solltest doch so schnell wie möglich von hier verschwinden, wenn sie auftauchen!« sagte Jacc.
Der junge Drache zog seinen Kopf ein und sah den Halbdrachen unschlüssig an. »Loki meinte, ich sollte hier bleiben und mir ein Versteck suchen.« Dann blickte er wieder in die Richtung der Schlacht.
»Ich wollte doch mitkämpfen,« beharrte er.
»Und was willst du hier ausrichten? Du wärest doch einer der Ersten, die hier umkommen. Nicht ohne Grund sollen alle Drachen unter zweihundert Jahren sich in sichere Gebiete begeben.« Als er sah, dass der junge Drache protestieren wollte, winkte er barsch ab.
»Dir wurde die Genehmigung erteilt, so weit wie möglich zu helfen, weil du Rukus Sohn bist. Aus diesem Grund haben die Menschen etwas mehr Vertrauen zu dir. Mehr als zu mir oder Omana. Aber nun Schluss!« beendete er seinen Vortrag.
»Flieg nach Süden und benachrichtige so viele Menschen wie möglich! Solange wir nicht wissen, ob sie auch in Gefahr sind, sollten wir sie nicht ohne Schutz lassen.«
Tamaris blieb nicht genug Zeit, etwas zu erwidern. Jacc hatte sich leichtfüßig erhoben und in einen Drachen verwandelt. Er flog sofort in Richtung des Schlachtfeldes und nahm, zusammen mit den anderen Drachen, die feindlichen Raumschiffe unter Beschuss.

Tamaris machte sich widerstrebend auf dem Weg  nach Süden. Je länger er flog, umso mehr Drachen kamen ihm entgegen. Manche sahen ihm verwundert hinterher, nahmen sich jedoch nicht die Zeit zu fragen, weshalb gerade er sich von der Schlacht entfernte.

Gerade als er die südliche Küste des Kontinentes erreicht hatte, traf er auf Omana.
»Was zum …? Was machst du hier?« plusterte dieser sich auf. »Solltest du nicht mit den Anderen im Norden sein um die Angriffe dieser Lorras zu stoppen?« fragte ihn dieser noch im Flug.
»Das tät ich ja gerne. Aber Jacc meinte, ich soll die Menschen auf Abena warnen. Die im Norden wurden scheinbar schon von ihm selber in Sicherheit gebracht.«
Der Halbdrache nickte und schaute in die Richtung, aus welcher Tamaris gekommen war.
»Dann mach das. Ist wohl auch das Beste.« Er blickte wieder zurück zu dem jungen Drachen. »Weißt du, wie viele es sind?«
»Hunderte.« antwortete Tamaris schwer schluckend. »Und es werden sicherlich noch mehr. Ich hab nur die ersten von ihnen gesehen. Ich wünschte …« Er verstummte und sah ebenfalls nach Norden.
»Warum werden wir eigentlich angegriffen?« fragte Tamaris plötzlich. »Loki hat ein Geheimnis draus gemacht. Er sagte nur, dass der Konflikt dafür schon zu lange zurück liegt, als dass er mir das mit drei Worten erklären könne.«
Der Halbdrache nickte nur knapp zum Verständnis. »Mehr kann ich dir auch nicht sagen. Ich bin einfach noch zu jung.«
Er blickte besorgt nach Norden.
»Nun ist es aber Zeit. Sie erwarten mich sicher schon.« Dann schwang er seine Flügel und flog nach Norden, der Schlacht entgegen.
Tamaris blickte Omana traurig nach. Irgendetwas sagte ihm, dass er den Halbdrachen nie wieder sehen würde. Er seufzte laut und flog weiter in Richtung Süden, auf die Inseln zu, deren Berge er am Horizont schon sehen konnte.

- - -

Tamaris hatte bereits den größten Teil der Inselbewohner von Abena in Sicherheit gebracht, als plötzlich Unruhe in ihm aufstieg. Er schaute nach Norden. Es überraschte ihn, trotz der großen Entfernung noch Kampfhandlungen zu sehen. Gelegentlich tauchten Raumschiffe über dem Horizont auf. Sie wurden jedoch rechtzeitig zurückgedrängt oder zerstört.
In Gedanken versunken dachte an das Gespräch mit Úru-Loki von heute Morgen. Seine Fragen, warum die Lorras nur an einer Stelle auftauchen würden und warum man überhaupt warten musste, bis deren Schiffe in die Atmosphäre von Ason eintreten und warum man sie nicht schon im Weltraum angriffe, all diese Fragen hatte der alte Drache anfangs nur widerwillig und mit einem Seufzer beantwortet. Da Tamaris jedoch zu neugierig war, um sich mit den einsilbigen Antworten zufrieden zu geben, hatte Úru-Loki schließlich nachgegeben. Er hatte ihm erklärt, dass es auch von Vorteil ist, dass die Lorras nur durch eines der Tore in die Atmosphäre vordringen können. "Lieber lassen wir ihnen dieses eine Tor, bevor sie den gesamten Schutzschild angreifen, um auf den Planeten zu gelangen! Soweit ich mich erinnern kann, sind Lorras noch nie geduldig gewesen. Und so müssen wir uns nicht gegen alle auf einmal zur Wehr setzen."
Und im Weltall? Dachte Tamaris.
Dort wären sie im Vorteil.
Inzwischen befanden sich fast alle Menschen und der größte Teil ihrer Nutztiere in den tiefen Höhlen der Berge in Sicherheit. Tamaris landete mit den letzten Menschen auf seinem Rücken, als er eine leichte Druckwelle verspürte. Wieder schaute er in die Richtung des Kampfes. Einige der Menschen taten es ihm gleich. Er spürte, dass sie alle in großer Gefahr waren.
»Schnell! Geht in die Höhlen!« rief er und drängte die letzten Menschen gerade noch rechtzeitig in den Eingang. Dann kauerte er sich selber Schutz suchend in den Windschatten des Berges. Da erreichte ihn eine noch viel gewaltigere Druckwelle und riss ihn fast von den Beinen. Als er sich wieder aufrichtete, kam eine weitere, ebenso starke Welle, die ihn gegen eine Felswand schleuderte und ihm die Besinnung nahm. Das letzte, was er wahrnahm, war das Kreischen und Weinen der verängstigten Menschen und die riesigen Felsbrocken, die von oben auf ihn fielen. Dann wurde es dunkel und still um ihn.

- - -


Zuletzt von vetole am Fr Feb 12, 2016 12:57 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Prolog   So Jan 04, 2009 9:40 pm

Regungslos standen Jacc und Omana da und starrten in den Himmel. Was sie da sahen, konnten sie einfach nicht glauben. Als wenn diese Massen von Lorra-Schiffen nicht schon genug wären. In großer Höhe tauchte ein weiteres Schiff auf, in welches gut und gerne tausende von diesen, selbst schon riesigen, Raumschiffen Platz gefunden hätten und öffnete auf seiner Unterseite ein Tor.
Úru-Loki, der die beiden bemerkte, kam auf sie zu und wollte gerade fragen was los sei, blickte dann aber ebenfalls nach oben und erstarrte. »Was zum… ?« Geistesgegenwärtig fuhr er die beiden an.
»Macht, dass ihr hier weg kommt! LOS!« Kaum hatte er das gesagt, da entlud sich aus dem Tor des riesigen Raumschiffes eine Druckwelle. Sie war nicht wirklich stark, ließ jedoch ein paar der Drachen über das Schlachtfeld taumeln. Einige von ihnen stürzen zu Boden. Als diese sahen, was sich über ihnen abspielte, war es schon fast zu spät. Plötzlich zogen sich alle Lorra-Schiffe zurück. Die Drachen konnten nur ahnen, was nun auf sie zukommen würde. Instinktiv suchten sie in der Nähe der Gebirge Schutz. Jedoch nur wenigen von ihnen gelang es noch rechtzeitig.
Jacc hatte in einer winzigen, weiter vom Zentrum des Kampfes entfernten Höhle, Schutz gefunden, als er die Druckwelle wahrnahm. Obwohl diese ihn nicht direkt traf, wurde er gegen die gegenüberliegende Wand geschleudert. Für einen winzigen Moment verlor er die Besinnung. Als er seine Augen wieder öffnen wollte, durchfuhr ihn der Druck der zweiten Welle. Zwar blieb er diesmal bei Bewusstsein, fühlte jedoch so starke Schmerzen in seinem Körper, dass er sich übergeben musste.
»Verdammt noch mal!« stöhnte er, als er sich langsam und vorsichtig erhob. »Was zum Teufel war das?«
Er näherte sich vorsichtig dem Ausgang der Höhle und schaute in geduckter Haltung nach draußen. Was er zuerst wahrnahm, war eine unheimliche Stille. Kein Laut. Kein Geräusch. Nichts. Nur Stille.
Mehr als hundert Drachen lagen, eingehüllt von dieser plötzlichen Stille, regungslos am Boden. Trotz der großen Entfernung erkannte er einige, mit denen er sehr gut befreundet gewesen war. Erneut durchfuhr Schmerz den Halbdrachen. Diesmal jedoch kein körperlicher.
»Verdammte Lorras!« hörte er es plötzlich neben sich keuchen. Es war Omana. Er kam aus einem Versteck, nur wenige Meter von seinen entfernt. Und noch während dieser sich in einen Drachen verwandelte, stürmte er auf das Schlachtfeld zu.
»ICH MACH EUCH FERTIG!« schrie er außer sich vor Wut. Er bekam nicht mit, dass Jacc ihn zurückrief.
Jetzt wollte Jacc ihm gerade folgen, als dieser aus dem Augenwinkel einen Schatten wahrnahm. Es war Úru-Loki, der dem jungen Halbdrachen folgte, welcher jetzt wie wild geworden auf das riesige Raumschiff zuflog.
»Omana! Lass das! Was soll das?« schrie dieser ihm nach und holte ihn gerade noch rechtzeitig ein. Wütend riss er ihn zurück zum Boden, als er ein leises Grummeln hinter sich spürte. Er sah in die angstvoll aufgerissenen Augen Omana‘s und blickte sich um. Ein stark gebündelter Lichtstrahl berührte den Boden, nur wenige Meter von ihnen entfernt. Ein leichtes, immer stärker werdendes Beben erschütterte die Erde. Der alte Drache drängte Omana zurück zu den Schutz bietenden Höhlen. Sie hatten sich kaum in Bewegung gesetzt, als Omana stolperte und fiel. Úru-Loki, voller Hast und Angst, versuchte dem jungen Halbdrachen hoch zu helfen. Wie von Blitz getroffen hielt er inne und drehte sich um.
»Großer Gott« flüsterte er leise.
Dann warf Úru-Loki sich blitzschnell auf Omana und bedeckte ihn mit seinem Körper. »Verzeih mir,« flüsterte er noch, dann erreichte sie eine Druckwelle, viermal so stark wie die voran gegangenen und fegte durch sie hindurch, als wären sie Luft.

- - - -

Jacc lief stumm zwischen den Leichen der Drachen umher und notierte die Namen derer, die er wieder erkannte. Er hob traurig seinen Blick zum Himmel und hoffte, dass noch ein paar andere Drachen auftauchen würden. Seitdem die Raumschiffe wieder verschwunden waren, schien eine Ewigkeit vergangen zu sein. Wie Úru-Loki anfangs gesagt hatte, waren die Lorras nicht auf Eroberung aus. Sie wollten nur zerstören. Sich rächen für etwas, woran die Opfer dieses Massakers eigentlich gar keine Schuld trugen. Doch Jacc konnte es damals nicht verstehen. Úri-Loki hatte nur gemeint, dass die Feigen sich eben immer erst die Schwächsten vornehmen. Jacc hatte weiter gefragt, warum diejenigen, die die Schuld an der Wut der Lorras trugen, ihnen nicht wenigstens zur Seite standen. Schließlich waren sie doch Verbündete. Friedenspartner. Oder zumindest waren sie das mal gewesen. Jacc schluckte schwer. Die sollen sich hier nur noch einmal blicken lassen! Dann werden sie sehen, was für tolle Friedenspartner wir sein können!
»Sie haben Ruku gefunden!« hörte er hinter sich jemanden sagen. Er drehte sich um und blickte in Anamos Gesicht. Stumm nickte er nur und sah zu einem der leblos am Boden liegenden Drachenweibchen.
»Es hat keinen Sinn, ihre Namen zu notieren.« Wütend warf er den Block zu Boden. »Sie sind alle …«
Er sprach nicht weiter und sah wieder zu Anamo. »Überlebt haben nur jene, die klein genug waren, um in den Höhlen Zuflucht zu finden. Eben nur die Halbdrachen.« Er blickte sich um. »Und jene, die gar nicht erst mit hier waren. Zumindest können wir das mit Sicherheit sagen. Die ersten jungen Drachen sind schon eingetroffen und helfen bei der Bergung der Toten.«
Anamo trat neben ihn und hob den Block wieder auf. »Hast … hast du…« Er stammelte und überflog die Namen.
»Deinen Bruder? Loki? Nein. Zum Glück.« Er lies seinen Blick einen Moment lang über die Ebene schweifen. »Zumindest bisher noch nicht. Vielleicht finden wir sie auch gar nicht mehr. Du hast gesehen, was mit denen passiert ist, die im Zentrum lagen. Es ist ein Wunder, das überhaupt noch etwas von ihnen übrig ist.«
Beide senkten zugleich ihre Blicke.
»Vielleicht … vielleicht wurde er ja auch nur weggeschleudert und taucht wieder auf. Ich würde es doch sicherlich irgendwie spüren, wenn er … tot wäre. Er ist schließlich mein Zwillingsbruder. Und Loki … er …« Anamo sah auf und sah Jacc mit einen gequälten hoffnungsvollen Blick an. »Er kann doch gar nicht sterben! Schon vergessen? Er ist einer der vier Hâmaa. Er kann gar nicht Sterben!«
Jacc nickte nur stumm und wandte sich um. »So heißt es zumindest.« Die beiden liefen stumm nebeneinander her und näherten sich einer kleinen Gruppe von jungen Drachen und Halbdrachen, die vor den Druckwellen verschont geblieben waren und nun halfen, die Toten zu identifizieren.
»Hat einer von euch Tamaris gesehen?« wurde ihnen zugerufen. »Er war nicht mit bei den jungen und ein paar der älteren meinten, ihn noch vor dem Kampf hier gesehen zu haben.«
Jacc schüttelte seinen Kopf. »Ich hab ihn von hier fort geschickt. Er sollte die Menschen im Süden in Sicherheit bringen. Seitdem hab ich ihn nicht mehr gesehen.«
»Dann ist er vielleicht noch dort.« Sagte einer der jungen Drachen voller Hoffnung.
»Er… er ist nun…« Er sprach nicht weiter, aber jeder der anwesenden wusste, was er sagen wollte. Da die älteren Vollblutdrachen alle gefallen waren, war er nun der älteste von ihnen.
Jacc schluckte schwer, als er sich dies bewusst machte. Tamaris, der älteste. Und das mit seinen gerade mal zweihundertfünf Jahren. Gerade alt genug, um als ausgewachsen zu gelten, sollte er nun der älteste Drache auf Ason sein. Er schüttelte betrübt seinen Kopf.
»Hat einer von euch Loki oder Omana gesehen?« fragte er vorsichtig. Als er die überraschten Blicke der anderen sah, wusste er die Antwort bereits.
»Loki fehlt?« sprach einer der Halbdrachen die Frage aus, die allen anderen im Gesicht stand. »Waren sie nicht bei dir, als wir Schutz suchten? Ich war der Meinung.«
Ein anderer Halbdrache schüttelte, seinen Kopf. »Die beiden waren doch nach den starken Druckwellen wie verrückt auf dieses riesige Teil zugeflogen. Wurden sie etwa von der letzten erfasst?«
Jacc nickte nur. »Omana ist voller Wut losgestürmt. Ich wollte ihm hinterher, doch Loki war schneller. Ich sah nur noch, wie er ihn zurückzog. Dann war da diese Lichtsäule oder was auch immer das war. Und als es anfing zu beben, suchte ich in der Höhle Schutz. Seitdem hab ich sie nicht mehr gesehen.« Er verstummte, als ein jüngerer Drache im wilden Flug auf die Gruppe zukam.
»Sie haben Tamaris gefunden!« schrie er. »Er liegt auf Abena und ist von Felsen verschüttet!« Kaum war der Drache gelandet, musste er wieder starten. Jacc und noch ein paar andere folgten ihm auf seinem Rückweg.

- - -

»Lebt er noch?« Die Frage kam von dem jungen Drachen, der sie nach Abena geführt hatte. Jacc nickte. »Er ist schwer verletzt und wird, wenn er aufwacht, sicherlich höllische Kopfschmerzen haben. Aber er wird es überleben. Keine Angst.« Er lächelte dem Drachen zu. Der junge Drache, mit Namen Lurock, war ein enger Freund von Tamaris. Die beiden waren zusammen aufgewachsen, da die Höhlen ihrer Eltern nahe beieinander lagen. Jacc schaute den Drachen an. Es waren nicht einmal zwei Tage vergangen, als die beiden noch glücklich herumgetollt waren. Ohne Ahnung, was auf sie zukommen würde. Nun waren all diese jungen Dinger elternlos. Wie er schon geahnt hatte, war keiner der älteren Drachen, die bei der Schlacht gegen die Lorras mitgekämpft hatten, am Leben geblieben.
Er stand auf und rief einen der Halbdrachen zu sich.
»Holt die Menschen aus den Höhlen. Wir sollten sie nicht noch länger dort drin lassen.« Der andere nickte und lief mit zwei weiteren auf die Eingänge der Höhlen zu.
Jacc blickte wieder auf Tamaris, der wie ein lebloses Monstrum wirkte. Es hatte ihn immer erstaunt, wie groß der junge Drache geworden war, den er von Ei an kannte. Ruku, dessen Vater, hatte zwar eine erstaunliche Körpergröße gehabt, aber neben seinem Sohn wirkte er vor allem in letzter Zeit geradezu winzig. Jacc strich dem ohnmächtigen Drachen behutsam über den Kopf. Noch vor wenigen Tagen hatte Ruku ihm versprochen, gemeinsam zu den Honneg-Inseln zu fliegen, um sich dort mal wieder den Bauch mit Fisch und anderen Wassertieren vollzustopfen. Wehmütig dachte Jacc daran, dass daraus nun leider nichts mehr werden würde.
Er wollte sich gerade von Tamaris entfernen, um nach den Menschen zu schauen, als der Drache ein leises Stöhnen von sich gab. Überrascht schaute Jacc ihn an. Auch ein paar der anderen sahen auf und kamen auf den Drachen zu.
»Tamaris. He! Hörst du mich?« rief Jacc ihm zu, während er seinen Kopf leicht tätschelte.
Der Drache öffnete grummelnd eines seiner Augen und murmelte.
»Ja klar. Du stehst ja auch direkt vor mir.« Er schnaubte den Halbdrachen an und schloss wieder das Auge. »Wäre echt freundlich, wenn du meinen Kopf in Ruhe lassen könntest. Der dröhnt auch so schon genug.«
Jacc lächelte sein breitestes Lächeln, als er das hörte.
»Den Göttern sei Dank. Als wir dich hier fanden, dachten wir zuerst, du seiest tot!«
Der Drache schnaubte wieder, öffnete nun beide Augen und hob seinen Kopf.
»Viel gefehlt hat da ja nicht mehr.« Er sah sich um und sah auf die anderen, die sich um ihn versammelt hatten.
»Was war das, Jacc? Ich wurde mit voller Wucht gegen die Wand geschleudert. Was war bei euch los?« Er besah einen Moment seinen dunkelgrünen Körper und schaute dann wieder zu Jacc, der plötzlich mit traurigem Blick in die Augen des Drachens sah.
»Was ist passiert?« fragte er mit bebender Stimme, die nicht mehr als ein Flüstern war.

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